Sie befinden sich hier:  Wanderaustellungen >> Kirche - Stasi

Zwei Projekte mit Religionsschülern wurden erfolgreich durchgeführt:


Schülerausstellung
"Christliches Handeln in der DDR"
Wanderausstellung
"Sterilisation und Euthanasie
während des Nationalsozialismus"
 
Informationen zu den Problemen
der Schülerausstellung in Reichenbach Hier klicken!

Projekt 2004/2005 am Clara-Wieck-Gymnasium
Link: www.euthanasie-ausstellung.de
 
Die Religionsschüler der 12. Klasse zum Projekt "Christliches Handeln in der DDR" Das Projekt haben diese beiden Religionsschüler für die nächsten zwei Jahre übernommen,
bis sie 2007 ihr Abitur erfolgreich ablegten.
 
Dr. Käbisch - Schülerprojekt -

Folgende Schülerinnen (eine fehlt) haben sich
freiwillig an diesem Projekt beteiligt:
Susann V., Susann U., Catharina J., Katharina Z.,
Anett S., Mirjam W., Anne H., Saskia S.

Dr. Käbisch - Schülerprojekt -

Caroline G. und Georg M. aktualisieren die Themen der
Wanderausstellung für die beiden Schuljahre 2005 bis 2007.

 
Dr. Käbisch - Schülerprojekt -

Clara-Wieck-Gymnasium Zwickau-Planitz

Dr. Käbisch - Schülerprojekt -

Außenstelle des Clara-Wieck-Gymnasiums Zwickau
(früher Gerhart-Hauptmann-Gymnasium)




Die erste Schülerausstellung


Bereits im Jahr 1999 begann die Aufarbeitung der DDR-Geschichte mit Schülern. Religionsschüler der 10. Klasse vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium wollten genau wissen, wie Friedensarbeit in der DDR und in Zwickau möglich war. Die Schüler Sebastian O., Mathias V., Axel M. und Sebastian S. haben ein Projekt freiwillig übernommen. Sie wollten mit Hilfe authentischen Materials herausfinden, wie es in Zwickau zu den Friedensgebeten kam, die während der friedlichen Revolution eine große Rolle spielten und zur gewaltlosen Veränderung der sozialistischen Gesellschaft führten. Da in der Stasi-Akte des Religionslehrers, die von der Stasi mit dem OV „Kontrahent“ bezeichnet wurde, dieser Prozess am Zwickauer Dom umfangreich dokumentiert wurde, konnte Dr. Edmund Käbisch den Schülern ohne die sonst erforderlichen Genehmigungen der BSTU seine persönlichen Akten als Kopie aushändigen. Sie haben sich verpflichtet, den Datenschutz einzuhalten, die Persönlichkeitsrechte zu achten, die Kopien nur für das Projekt zu verwenden und diese nach Beendigung des Projekts wieder zurückzugeben. Sie haben sich auch mit entsprechender Fachliteratur auseinandergesetzt und dann entschieden, die gewonnen Erkenntnisse nicht nur der Klasse vorzulegen, sondern sie zu einer kleinen Ausstellung zusammenzufassen. Diese Schülerausstellung wurde am 23. Mai 2000 unter dem Thema „Wie die Stasi gegen die Kirche in Zwickau vorging“ im Landgericht vom Landgerichtspräsidenten Jürgen Kränzlein eröffnet. Dabei unterstrich er in seiner Begrüßung die Ungeheuerlichkeit des Vorgehens der Stasi, wie sie IM beauftragte, das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen, um diese dann auszuhorchen und darüber die Stasi zu informieren. Er stellte auch die Frage in den Raum: „Würden wir uns heute immer standhaft dagegen zur Wehr setzen?“ Die Schüler stellten ihre Ausstellung vor und schilderten von der Kompliziertheit und Mühsamkeit der Aufarbeitung. Sie mussten sich z. B. erst in die Sprache der Stasi einlesen, denn das gesamte Vorgehen der Stasi kann nur unter dem Blickwinkel der Konspiration richtig eingeschätzt werden. Bei der Eröffnung begrüßte Hansjörg Fiedler vom Zwickauer Regionalschulamt diese wichtige Arbeit mit den Worten: „Je schneller man vergessen möchte, umso größer ist die Gefahr, dass sich etwas wiederholen kann.“ Die Schüler haben in der Ausstellung auch eine Liste von 56 IM, die über Dr. Käbisch berichtet hatten und zu diesem Zeitpunkt von der BStU zweifelsfrei identifiziert wurden, mit ausgelegt. Weiterhin stellte die Gauckbehörde Leihgaben – z. B. Abhörtechnik, Fotoapparate für konspirative Aufnahmen, Stasiausweise, Orden für Stasi-Mitarbeiter – für die Schülerausstellung zur Verfügung. Erstmalig wurde in Zwickau so ein Thema der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ausstellung wurde gut besucht, zumal die Zeitungen ausführlich darüber berichteten. Auch wurde Protest laut, wie es in der „Freie Presse“ vom 25.5.2000 festgehalten wurde. Eine anonyme Anruferin stellte sich auf die Seite der entlarvten Spitzel, die nun zu leiden hätten, weil nun die Öffentlichkeit von ihrem Schnüffeldienst wüsste.

Beschreibung der Projekttage


Die Anregung von Projekttagen unter dem Thema „Zur Zukunft gehört die Erinnerung“ kam vom Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen e. V. in Hoyerswerda. Das konkrete Thema war schnell gefunden: Im Jahr 1989 konnte ohne Blutvergießen die DDR-Diktatur in eine neue Gesellschaftsordnung umgewandelt werden. Es war eine friedliche Revolution, die weltgeschichtlich einmalig ist und 1990 in der Wiedervereinigung Deutschlandes mündete. Dieses Geschehen darf nicht vergessen werden, damit von diesem historischen Prozess gelernt werden kann. Im Herbst 2004 wurde bundesweit an den 15. Jahrestag der friedlichen Revolution gedacht. Dieses Ereignis wurde zum Anlass genommen, am Gerhart-Hauptmann Gymnasium (GHG) und Clara-Wieck-Gymnasium (CWG) in Zwickau Projekttage zu organisieren. Die Schüler sollten erfahren, wie die DDR-Diktatur war, wie es zu dieser friedlichen Revolution kam und welche Freiheit die bundesdeutsche Demokratie mit sich brachte. So wurde das Thema vielschichtig entfaltet.

Kooperationspartner




Eröffnung


Am Montag, 4. Oktober 2004, wurden in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums die Projekttage eröffnet. Dazu war der Zeitzeuge Erwin Killat eingeladen worden und berichtete über die friedliche Revolution in Zwickau. Im Anschluss wurde eine Ausstellung zur Zwickauer friedlichen Revolution in der Aula eröffnet. Diese Ausstellung wurde von der Zwickauer Friedensbibliothek erarbeitet.

Podiumsdiskussion


Am 7. Oktober 2004 wurden Schüler, Lehrer, Eltern und die Zwickauer Öffentlichkeit zu einer Podiumsdiskussion ins "Bunte Zentrum" Zwickau eingeladen. Das Thema lautete: "15 Jahre Friedliche Revolution - Beteiligte erinnern sich".

Auf dem Podium saßen und diskutierten:


Es kamen dabei folgende Themen zur Sprache:



Theateraufführung


Am 2. November 2004 fand im Rathaus Reichenbach die Theateraufführung "Beschädigte Seelen" statt. Die Theatergruppe "Interkunst" aus Berlin hatte dieses Stück einstudiert. "Beschädigte Seelen" ist ein Theaterstück, das auf dem gleichnamigen Buch von Jürgen Fuchs basiert. "Darin werden Geschichten erzählt, wie Jungen und Mädchen in der DDR vom Staatssicherheitsdienst als jugendliche Spitzel missbraucht wurden. Sie sollten bestimmte Informationen über ´illegale Aktivitäten´ liefern, die bedrohlich für das System sein könnten. Diese Jugendlichen wurden verführt. Sie haben sich im Alter zwischen 13 und 18 Jahren darauf eingelassen mit der STASI zusammenzuarbeiten und sollten auf diese Weise ihre Freunde, Lehrer, Familienmitglieder und sich selbst betrügen. Sie sind sowohl Opfer als auch Täter eines autoritären politischen Systems, das sich auf die Unterdrückung jeder Art von Opposition und Andersdenkenden spezialisiert hatte. In der DDR gab es zum Zeitpunkt ihres Endes 1989 etwa 174.000 Stasi-Spitzel; davon waren 10% Jugendliche. Verursacht durch das Eingefangensein in geheimnisvolle Aktivitäten, durch den hohen emotionalen Stress, durch Abhängigkeiten und Schuldgefühle wurden das Leben und die Seelen der meisten dieser Jugendlichen tiefgreifend beschädigt. Die betroffenen Männer und Frauen leiden noch heute unter den Folgen dieses Vertrauensmissbrauchs."

Zeitzeugenbericht


Am 11. Januar 2005 wurde der Zeitzeuge Utz Rachowski ins Landgericht Zwickau eingeladen. Er sprach von seinen Erfahrungen aus der Oberschulzeit und von seinem beruflichen Werdegang: 1971 wurde er aus der Erweiterten Oberschule Reichenbach relegiert, 1979 wurde er wegen Verbreitung eigener Texte und solcher von Wolf Biermann, Jürgen Fuchs, Reiner Kunzes zu 27 Monaten Gefängnis verurteilt.


Schülerausstellung „Christliches Handeln in der DDR“


Im Anschluss an den Zeitzeugenbericht wurde die Ausstellung: "Christliches Handeln in der DDR - Die Stasi-Bearbeitung der Kirche in Zwickau" im Landgericht eröffnet. Acht Religionsschüler der 12. Klasse des CWG, die sich freiwillig für das Ausstellungsprojekt gemeldet hatten, zeigten auf Schautafeln ihre Ergebnisse.
Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes/Außenstelle Chemnitz (BStU) hatte die Genehmigung erteilt, dass Quellen aus ihrer Behörde verwendet werden durften. Weiterhin haben Personen, die von der Stasi in einem operativen Vorgang (OV) bearbeitet wurden, ihre Akten zur Verfügung gestellt.

Damit waren die Schüler in die Lage versetzt, authentische Quellen zu benutzen, um die Arbeitsaufträge mit Hilfe der angegebenen Literatur zu erfüllen:

1. Thema: Die Kirchenpolitik der DDR

Quellen:
  • Kopien der BStU von Referenten für Kirchenfragen OibE Müller (Offizier im besonderen Einsatz) und Zöphel (IME „Ludwig“)
Literatur.:
  • C. Vollnhals, Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit S. 59-138
  • D. Gill/U. Schröter, Das Ministerium für Staatssicherheit S. 95-121
  • E. Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR
1.) Erarbeite die kirchenpolitischen Institutionen der DDR.
2.) Arbeite die Ziele dieser Kirchenpolitik heraus.
3.) Schildere den Werdegang der beiden Referenten für Kirchenfragen und beschreibe ihr Einsatzgebiet.
4.) Nimm Stellung zu dieser Kirchenbeeinflussung.
5.) Präsentiere das Ergebnis der Klasse und fertige ein Handout an.
6.) Dokumentiere das Ergebnis für die Ausstellung.

2. Thema: IM gegen die Kirche

Quellen: -
Literatur.:
  • H. Müller-Enbergs, Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, S. 7-17, 51-154
  • D. Gill/U. Schröter, Das Ministerium für Staatssicherheit, S. 95-117
  • E. Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR
1.) Stelle die Funktionsweise der IM dar.
2.) Arbeite die Bedeutung und Wichtigkeit dieser IM-Einsätze heraus.
3.) Zeige auf, wie das Ehepaar Bahr und Jens A. für ihre IM-Tätigkeit qualifiziert wurden und zum Einsatz kamen.
4.) Nimm Stellung zu dieser IM-Arbeit.
5.) Präsentiere das Ergebnis und fertige ein Handout an.
6.) Dokumentiere das Ergebnis für die Ausstellung.

3. Thema: Christliche Bürger im Visier der Stasi

Quellen:
  • Kopien der BStU von Jörg Banitz, Ulrike Dressel-Backofen, Dr. Edmund Käbisch (OV „Kontrahent“)
  • China 1989
  • zum Fußgängertunnel
Literatur.:
  • D. Gill/U. Schröter, Das Ministerium für Staatssicherheit, S. 123-158
  • Dr. Käbisch, Die Wendezeit in Zwickau aus den Stasi-Akten
  • E. Neubert, Geschichte der Opposition in der DDR
1.) Beschreibe die Methode und Vorgehensweise der Stasi gegen feindliche Elemente.
2.) Arbeite die Ziele dieser Stasi-Bearbeitung heraus.
3.) Analysiere den OV „Kontrahent“.
4.) Setze dich mit den Ereignissen auseinander:
      Fußgängertunnel Zwickau, 1. Mai 1989, Pleißenmarsch 1989 und China 1989.
5.) Bewerte diese Vorgehensweise der Stasi.
6.) Dokumentiere das Ergebnis für die Ausstellung.

Vortrag


Am 18. März hielt Jonathan Hofmann den Vortrag "Jugendweihe kontra Konfirmation". Dieses Thema hat er im Religionsunterricht als besondere Lernleistung bearbeitet und darüber eine schriftliche Ausarbeitung angefertigt. Die Benotung ist ins Abiturzeugnis eingeflossen. PDF zum Vortrag

Marianne Birthler


Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wurde eingeladen und sprach am 12. April 2005 in Reichenbach vor den Schülern des Goethe-Gymnasiums und am Abend im "Alter Gasometer" Zwickau. Am nächsten Tag stellte sie sich den Schülern in der Aula des GHG zur Diskussion.

Wanderausstellung


Da die Ausstellung im Landgericht ein Besuchermagnet wurde, wurde sie von zwei Religionsschülern der 11. Klasse des CWG zu einer Wanderausstellung umgestaltet. Caroline Geßner und Georg Martin haben sich freiwillig gemeldet, dieses Schülerprojekt weiterzuführen. Die beiden Schüler erarbeiten die Stasi-Bearbeitung aus dem Landkreis Werdau und erweiterten die Ausstellung um drei Schautafeln. So konnte dann die Ausstellung im Jahr 2005 im Landratsamt Werdau und im Rathaus Crimmitschau gezeigt werden. Im Jahr 2006 wurde sie in Wolkenburg, Lichtentanne, Cottbus, Chemnitz und Lichtenstein zu sehen sein.